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Dr. Jes Bertelsen

Befreiung des Bewusstseins
durch meditative Einsicht in seine Quelle

190 Seiten

 

Mit diesem Buch bietet Jes Bertelsen eine Führung zu dem von seiner Dualität befreiten »erleuchteten« Bewusstsein. Es ist ein Buch für Menschen, die sich auf der Suche nach einer höheren Stufe des Bewusstseins befinden - Menschen die auf diesem Weg eine kritische und seriöse Wegleitung schätzen.

 

 

Dieses Buch wurde 1994 vom ehemaligen Sphinx Verlag in der Schweiz herausgegeben und ist derzeit nur noch sehr selten antiquarisch zu bekommen.  
Eine aktualisierte und überarbeitete Neuausgabe ist Mitte 2009 im OPUS Verlag erhältlich.

 
Vorwort

Das vorliegende Buch besteht aus vier Hauptteilen: einem Text, einem Kommentar, einer Dokumentation und einem Nachwort. Der kurz gefasste Text ordnet sich in sieben Gruppen von Thesen.

Es wird kein Versuch unternommen, diese Thesen wissenschaftlich oder philosophisch zu belegen oder für sie zu argumentieren.
Der Text und sein Kommentar sind eher eine Art Führung. Die spirituellen Lehrer, die Mystiker und die Erleuchteten, behaupten, Kenntnis von den hier geschilderten Erfahrungen und Prozessen zu haben. Des weiteren behaupten Menschen, die meinen, Wissen von solchen entlegenen Landschaften der Erfahrung zu besitzen, dass diese verschiedenen Zustände und Bewusstseinsfunktionen letztlich alle zu gleicher Zeit bestehen. Sie sind - so wird behauptet - in allen Menschen vorhanden; im allgemeinen liegen sie aber im Unbewussten, und streifen sie den Sinn, so werden sie nicht bemerkt oder erkannt.
Unsere Führung ist nun aber zugleich als Reisebeschreibung gestaltet, als eine Reihe von möglichen Prozessen und Erfahrungen, die in einer phänomenologisch gesehen natürlichen Ordnung aufeinander folgen. Beide Anschauungen sind sicherlich berechtigt: eine Darstellung von gleichzeitig bestehenden Aspekten - oder eine Führung durch aufeinanderfolgende Stadien.

Dieses Werk in Form eines Textes und eines Kommentars erinnert durch diese (bewusst vorgenommene) Strukturierung an das bereits erschienene Buch Höheres Bewusstsein.
Der Text ist das Ergebnis fast zwanzigjähriger täglicher, konsequent durchgeführter meditativer Übung des Bewusstseins, kombiniert mit fünfzehnjähriger Unterrichtserfahrung in hochintensiven Formen des Gebets und der Meditation.
Diese Schrift unterscheidet sich jedoch auch in manchen Punkten vom bereits vorliegenden Buch. Sie enthält wesentlich mehr Einzelheiten, und sie konzentriert ihr ganzes Gewicht auf zwei Aspekte: das Phänomen der Transmission und den nondualen Bewusstseinszustand.
Transmission ist ein technischer Fachausdruck, der ein waches Verschmelzen eines höheren erleuchteten Bewusstseins mit einem normalen Bewusstsein bedeutet. Transmission ist das zentrale pädagogische Anliegen in einem meditativen Prozess, der danach strebt, das normale Bewusstsein soweit zu entwickeln, dass es die höhere nonduale Bewusstseinsfunktion entdeckt.
Der zweite Aspekt ist dieser nonduale Bewusstseinszustand selbst - welcher wiederum ein technischer Ausdruck für das mystische Erlebnis oder die erleuchtete Bewusstseinsfunktion ist.

Der einleitende Text ist äußerst komprimiert. Im nachfolgenden Kommentar wird aber jeder seiner Punkte erklärt und entfaltet.
Das menschliche Bewusstsein birgt in sich die Möglichkeit zahlloser Modifikationen und Zustände. Es gleicht einem gewaltigen Labyrinth mit tausenden von Türen. Jeder dieser Eingänge führt zu einem besonderen Zustand oder einer besonderen Ebene des Bewusstseins. Es gibt persönliche und transpersönliche Zustände; astrale und energetische Ebenen; trancehafte und ekstatische Zustände; hohe und tiefe, klare und unklare.
Unter all diesen tausenden von Türen führt aber nur eine einzige zu einem echten nondualen Zustand des Bewusstseins. Das Ziel einer hochentwickelten Form des Gebetes oder der Meditation ist nun, gerade die eine unscheinbare Tür zu finden, die den Weg zum eigentlichen Wesen des Bewusstseins öffnet: dem erleuchteten Einheitsbewusstsein oder der nondualen Funktion des Bewusstseins.
Grundsätzlich ist es möglich, diesen Weg allein zu finden; das hat zum Beispiel Meister Eckehart getan. Die meisten Menschen dieser Erde, die authentisch einen Zugang zur Quelle des Bewusstseins erreichten, fanden aber in ihrer spirituellen Suche Hilfe bei Lehrmeistern; so auch der Verfasser der vorliegenden Schrift, wie ja bereits die Widmung andeutet.
Letztlich geht es in diesem Buch darum, aufzuzeigen, wo man suchen muss und in welche Richtung man blicken soll, wenn man die Tür zur nondualen Quelle des Bewusstseins finden will.
Darum ist meine Hoffnung, dass es Menschen in ihrer spirituellen Suche zu inspirieren vermag, wo immer sie sich auf ihrem jeweiligen Wege auch befinden mögen; und dass es dieser Suche größere Genauigkeit verleihen kann.

 

 
INHALT


1.  Das gewöhnliche Bewusstsein

     - Das gewöhnliche Bewusstsein ist dual: das Bewusstsein des Ich trennt, teilt auf und ist sprachlich
       (Gedanken, Bilder, Symbole).

     - Für das gewöhnliche Bewusstsein ist die Quelle des Bewusstseins verborgen.

     - Das Ich-Bewusstsein wird aufrechterhalten und funktioniert, indem es sich von seiner Quelle abwendet
       und in einem Verhältnis zur aufgeteilten inneren oder äußeren Wirklichkeit steht.

     - Das Bewusstsein ist ein Strom.

     - Der Bewusstseinsstrom strebt nach Glück, Wahrheit, Erlösung oder Befreiung.

     - Wenn Glück, Wahrheit, Erlösung oder Befreiung eine Ganzheit sind, so kann das gewöhnliche, aufteilende Bewusstsein
       diesen Zustand nicht erreichen.

     - Das aufteilende und aufgeteilte Bewusstsein des Ich muss seine Zustandsform ändern und ganzheitlich werden,
       um das zu finden, wonach es sucht.

     - Der Weg vom aufteilenden Bewusstsein zum Bewusstsein der Einheit führt durch die Quelle des Bewusstseins.
       Diese Quelle ist verborgen.

     - Soll die Quelle des Bewusstseins gefunden werden, so muss eine entscheidende Bedingung erfüllt sein:
       das Bewusstsein muss zur Ruhe kommen und still werden.

     - Bedingungen dafür, dass das Bewusstsein zur Ruhe kommt, sind: ausreichende Entfaltung des Ich, Selbsteinsicht,
       Ausgeglichenheit und existentielles Sattsein.

     - Ein Bewusstsein, das zur Ruhe kommt, vermag sich der Grenze des dualen Bewusstseins zu nähern.


2. Die Grenze des gewöhnlichen Bewusstseins

    - Das gewöhnliche Bewusstsein hält sich in seinen vielfältigen Inhalten auf.

    - Die Grenze des dualen Bewusstseins wird erreicht, wenn die Vielfalt des Bewusstseins - und somit der inneren
      und der äußeren Wirklichkeit - sich in einem einzigen Gegenstand sammelt.

    - Die Grenze ist dort, wo der beobachtende Pol des Bewusstseins einem alles umfassenden beobachteten Pol
      gegenübersteht: der Vielfalt der Gegenstände und Inhalte, gesammelt in einem einzigen Gegenstand oder Zustand.

    - Das einzige, letzte und alles umfassende Objekt des sich gleichzeitig selbst beobachtenden Bewusstseins lässt sich
      beschreiben als Licht, als Seligkeit; als Liebe; als Sein oder als Leere.

    - Diese duale Situation (beispielsweise dass sich das Bewusstsein in überwältigendem Maße und ausschließlich des Lichtes
      oder der Liebe bewusst ist) ist die letzte mögliche vor dem Zusammenbruch des gewöhnlichen Bewusstseins und seiner
      Verwandlung zu transdualem Einheitsbewusstsein.


3. Der Übergang

    - Der Übergang von dualem zu transdualem Bewusstsein kann nicht durch das normale Bewusstsein geschehen.

    - Die Verwandlung des Übergangs geschieht durch einen externen Faktor.

    - Der fremde Impuls setzt erst in dem Augenblick ein, da das gewöhnliche Bewusstsein seine Funktion einstellt und sich
      selber aufgibt.

    - Das Neue, Andere, Fremde tritt entweder durch einen konkreten Menschen hervor, der bereits die nonduale Funktion des
      Bewusstseins besitzt, oder aber direkt aus dem nondualen Bewusstsein: durch visionäre Transmission, durch innere
      Initiation; aus dem Bereich des Göttlichen.


4. Bewusstseinstransmission

    - Der Übergang von der gewöhnlichen dualen Bewusstseinsfunktion zu transdualem höherem Bewusstsein erfolgt in einer
      direkten Bewusstseinstransmission.

    - Die Transmission enthüllt die Quelle und weist auf sie hin.

    - Die Transmission des höheren Bewusstseins erfolgt durch Vereinigung mit einem bereits verwirklichten höheren Bewusstsein.

    - Die Transmission des höheren Bewusstseins findet durch die Quelle des Bewusstseins hindurch statt.

    - Das gewöhnliche duale Ich-Bewusstsein wird in seine eigene nonduale Bewusstseinsfunktion verwandelt durch seinen
      Zusammenbruch im Augenblick der Transmission.

    - Das transduale Bewusstsein bricht zunächst in augenblickhaften Blitzen (Illumination, Satori) durch, dann in kürzeren
      Zuständen (Ekstase, Samadhi).


5. Die Übungspraxis des stillen Bewusstseins

    - Der Weg des Bewusstseins zur Quelle lässt sich nach der Transmission und Wiedererkennung der Quelle auf genau
      dieselbe Weise üben wie vorher.

    - Die meditative Übungspraxis in die Quelle hinein besteht in tiefer Entspannung und aufmerksamer Offenheit.

    - Das ruhige und stille Bewusstsein lässt die Sprache und alle anderen Bezugsrahmen los.

    - Klarheit, Erweiterung, Nicht-Handeln.

    - Wenn die überwältigenden letzten dualen Erfahrungen eintreten und das Bewusstsein wieder und wieder durch sie
      gesättigt wird, übt es sich darin, allmählich auch von diesen ultimativen Erfahrungen loszulassen.

    - Die Gedanken werden losgelassen. Die Leere wird losgelassen. Seligkeit und das Festhalten an der Seligkeit werden
      losgelassen. Das Verlangen nach Erlebnissen wird losgelassen; Anstrengung wird losgelassen.

    - Das Bewusstsein sinkt in die Quelle hinab. Das Bewusstsein erweitert sich und wird eins mit der Unermesslichkeit.

    - Das Bewusstsein ist durch meditative Einsicht in die Quelle des Bewusstseins wieder frei geworden.


6. Die Übungspraxis des bewegten Bewusstseins

    - Existentielle Übung und Praxis nach der Transmission von Wissen um die Quelle besteht darin, das Bewusstsein wieder
      und wieder in die Quelle zu tauchen; tagsüber so oft wie möglich das höhere Bewusstsein zu reaktualisieren.

    - Die Energie, die sich in Gedanken, Gefühlen, Bildern, in Sexualität oder Willen ausdrückt, entspringt dem höheren
      Bewusstsein, das eben die Quelle des Bewusstseins und des Lebensprozesses ist. Das höhere Bewusstsein ist
      die Quelle des Unbewussten.

    - Ist das höhere Bewusstsein gefunden und die Quelle folglich bekannt, so lassen sich Gedanken, Affekte, Begehren und Bilder
      auflösen und in die Quelle zurückführen, der sie entstammen; das geschieht, indem das Bewusstsein - gleichzeitig mit dem
      Gedanken, dem Affekt, dem Begehren, dem Bild - in die Quelle eintaucht.

    - Das gewöhnliche duale Bewusstsein wird befreit durch meditative Einsicht in die Quelle des Bewusstseins:
      das höhere transduale Bewusstsein.

    - Die Befreiung des Bewusstseins bedeutet dasselbe wie die Selbstverwandlung des gewöhnlichen Bewusstseins
      zu höherem Bewusstsein.


7. Höheres Bewusstsein

    - Die Quelle des Bewusstseins gründet sich durchsichtig in den erleuchteten Meisterfeldern.

    - Das gewöhnliche Bewusstsein ist somit letztendlich das höhere Bewusstsein.

    - Und das höhere Bewusstsein ist in seinem innersten Wesen das erleuchtete Einheitsbewusstsein.

    - Ganz gewöhnliches Bewusstsein ist daher im Grunde göttlich.